Nichtregierungsorganisation

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Eine Nichtregierungsorganisation (NRO bzw. aus dem Englischen Non-governmental organization, NGO) oder auch nichtstaatliche Organisation ist ein zivilgesellschaftlich zustande gekommener Interessenverband, der nicht durch ein öffentliches Mandat legitimiert ist.[1] Die Weltbank definiert NROs als private Organisationen, die durch ihre Aktivitäten versuchen, Leid zu mindern, die Interessen der Armen in der Öffentlichkeit zu vertreten, die Umwelt zu schützen, grundlegende soziale Dienste zu leisten oder Aktionen für Entwicklungsvorhaben zu initiieren. Diese Begriffsbestimmung wurde bewusst unscharf gewählt, da sich NROs allen denkbaren Aufgaben annehmen können.[2]

Der englische Begriff non-governmental organization wurde einst von den Vereinten Nationen (UNO) eingeführt, um Vertreter der Zivilgesellschaft, die sich an den politischen Prozessen der UNO beteiligen, von den staatlichen Vertretern abzugrenzen; non-governmental bedeutet dabei „nichtstaatlich“ im Sinne von „staatsunabhängig“, „regierungsunabhängig“. Heute wird der Begriff von und für nichtstaatliche Vereinigungen benutzt, die sich insbesondere sozial- und umweltpolitisch engagieren, und zwar unabhängig von einer Beziehung zur UNO.

Gemäß Artikel 71 der UN-Charta können Nichtregierungsorganisationen Konsultativstatus beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC) erlangen,[3] wenn sie die in der ECOSOC-Resolution 1996/31[4] festgelegten Kriterien erfüllen. Zurzeit sind dort 4.990 Organisationen registriert [5][6]

Einerseits wird eine NRO (engl. NGO), die weltweit aktiv ist, als internationale Nichtregierungsorganisation (INGO) bezeichnet; andererseits wird INGO vom Europarat für die Gemeinschaft der national-tätigen NRO mit ihren europäischen Partner-NROs benutzt, die Teilnehmerstatus bei der Konferenz der internationalen Nichtregierungsorganisationen haben (vgl. NRO-Bewerbung für einen Teilnahme-Status beim Europarat).[7]

Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Bezeichnung Nichtregierungsorganisation ist angelehnt an den englischen Ausdruck non-governmental organization (NGO). Teilweise wird auch die Bezeichnung nichtstaatliche Organisation (NSO) benutzt. Sie überträgt den angloamerikanischen Begriff governmental präziser; die Übersetzung für Regierung wäre im amerikanischen Englisch nicht government, sondern administration. Dennoch hat sich der Begriff Nichtregierungsorganisation im Deutschen weitgehend durchgesetzt, dazu die englische Abkürzung NGO (anstelle von NRO).

Im Englischen werden auch folgende Begriffe verwendet: independent sector, volunteer sector, civic society, grassroots organizations respektive transnational social movement organizations, private voluntary organizations, self-help organizations, häufig auch non-state actors (NSAs). Letzterer Begriff ist allerdings weiter gefasst und umschließt neben NGOs auch transnationale Unternehmen (TNCs) sowie z. B. kriminelle Vereinigungen. In der britischen Forschung wird NGO auch in Verbindung gebracht mit der global civil society, einer globalen Zivilgesellschaft, z. B. bei Mary Kaldor.

Im herkömmlichen deutschen Sprachgebrauch sind Nichtregierungsorganisationen einfach Verbände oder Vereine. Im Deutschen wird teils auch vom Dritten Sektor gesprochen. Dieser Begriff geht auf den US-amerikanischen Soziologen Amitai Etzioni zurück.

Strukturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus politikwissenschaftlicher Sicht lassen sich Nichtregierungsorganisationen definieren, als „feste Zusammenschlüsse unabhängiger gesellschaftlicher Kräfte, die ohne Gewinnabsicht gemeinwohlorientierte Ziele verfolgen, sich insbesondere für humanitäre und ökologische, dem Anspruch nach universelle Prinzipien einsetzen und versuchen Einfluss auf Staaten und IGOs (International Governmental Organizations) auszuüben“.[8] Wichtige Tätigkeitsschwerpunkte von Nichtregierungsorganisationen - insbesondere von international tätigen NGOs - sind die Politikfelder Menschenrechte, Entwicklungs- und humanitäre Hilfe und Umweltschutz.[8]

Es zeichnet sich ab, dass nichtstaatliche Organisationen nur dann von internationalen Institutionen – wie der UNO, der UNESCO, dem Europarat oder der EU-Kommission – als solche anerkannt werden, wenn sie:

  1. von einer Bürgerschaft mit gleichen Interessen gegründet wurden, die sich für gemeinsam anerkannte Ziele zusammengeschlossen haben und damit den assoziierten kompetenten Bürger repräsentieren,
  2. demokratisch strukturiert sind und folglich ihre Vorstände wählen und
  3. bei aller für die Erreichung der Vereinsziele erforderlichen wirtschaftlichen Tätigkeit nicht gewinnorientiert arbeiten.

Viele nichtstaatliche Organisationen fordern von der Europäischen Kommission die Schaffung einer Rechtsform „Europäischer Verein“, um so eine der Europäischen Aktiengesellschaft ähnliche gemeinschaftsweite Rechtsfähigkeit zu schaffen.

Es existieren verschiedene Klassifikationssysteme für nichtstaatliche Organisationen. Das der Weltbank etwa unterscheidet zwischen operativen und beratenden Organisationen.[9]

Rechtsstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Europarat legte 1986 ein Europäisches Übereinkommen über die Anerkennung der Rechtspersönlichkeit internationaler nichtstaatlicher Organisationen vor (SEV-Nr.: 124, auch Konvention Nr. 124 genannt). Es trat 1991 in Kraft und die Ratifikation begann.[10] Etwa ein Viertel der Mitgliedstaaten ist dieser Konvention zur Rechtsstellung von internationalen Nichtregierungsorganisationen bisher beigetreten, so Belgien, Frankreich, Niederlande, Österreich, Schweiz und das Vereinigte Königreich u. a. (Stand Ende 2017).[11]

2007 empfahl der Europarat (CM/Rec(2007)14)[12] den Regierungen der Mitgliedstaaten eine Gesetzgebung über den rechtlichen Status auch für nationale Nichtregierungsorganisationen[13] und erinnerte in diesem Zusammenhang an die europäische Konvention Nr. 124 - verbunden mit der Empfehlung an die Regierungen der Mitgliedstaaten:

  • „sich dabei in ihrer Politik und Praxis von den Minimalstandards leiten zu lassen, die in dieser Empfehlung aufgeführt sind;
  • diese Standards bei der Überwachung der von ihnen eingegangenen Verpflichtungen zu beachten;
  • sicherzustellen, dass diese Empfehlung und das begleitende Erläuternde Memorandum[13] übersetzt und an NRO allgemein und insbesondere an Parlamentarier, die relevanten öffentlichen Stellen und Bildungseinrichtungen verteilt und bei der Ausbildung von Beamten eingesetzt werden.“

Verhaltenskodex für die Bürgerbeteiligung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In modernen Demokratien bereitet die Entfremdung der Bürger von politischen Prozessen zunehmende Sorge. Juni 2007 forderte die Konferenz der internationalen Nichtregierungsorganisationen im Europarat, einen Verhaltenskodex für die Bürgerbeteiligung auszuarbeiten – insbesondere zu konkreten Mechanismen für eine NRO-Beteiligung bei Entscheidungsprozessen und Mitwirkung der Zivilgesellschaft an der öffentlichen Politik. Das Ministerkomitee des Europarats beschloss im Oktober 2007 eine Empfehlung zur Rechtsstellung von nicht-staatlichen Organisationen und beschrieb die Struktur einer NRO und ihren Stand in der Demokratie.

2009 legte die europäische INGO-Konferenz ein anwenderfreundliches, strukturiertes und pragmatisches Instrument für Entscheidungsträger und eine organisierte Zivilgesellschaft, einschließlich NRO vor, um die Beteiligung der Bürger am demokratischen Prozess auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene zu stärken. Der Verhaltenskodex soll auf europäischer Ebene eine Reihe von allgemeinen Grundsätzen, Richtlinien, Werkzeugen und Mechanismen für die Bürgerbeteiligung beim politischen Entscheidungsprozess definieren.[14]

Kreislauf eines politischen Prozesses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  Agenda‑Setting Ausarbeitung  
     
 Neuformulierung     Entscheidung 
     
  Überwachung Umsetzung  

Kreislauf der sechs Phasen
eines politischen Prozesses

In jeder Phase des Kreislaufs eines politischen Entscheidungsprozesses können Bürger mitwirken, so eine Empfehlung der Konferenz der nicht-staatlichen internationalen Organisationen im Europarat. Beim Agenda-Setting legt die organisierte Bürgerschaft gemeinsam mit Politik und Verwaltung ein politisches Schwerpunktthema fest. Durch formelle Bürgerbeteiligung entscheiden die Bürger nach der Ausarbeitung, was umgesetzt werden soll und wirken dabei mit. In der Überwachungsphase der Durchführung von Beschlüssen ergeben sich Gründe zur Neuformulierung der Agenda (vgl. PDCA-Zyklus).[14]

Matrix der Bürgerbeteiligung im politischen Prozess[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Schritten eines politischen Entscheidungsprozesses können die NROs auf verschiedenen Beteiligungsebenen Einfluss nehmen. Die Konferenz der internationalen nichtstaatlichen Organisationen im Europarat empfiehlt eine Matrix, in der für jede Stufe die Art und Weise der Beteiligung von NROs dargestellt wird.[14] So strukturieren bisher angewandte Methoden der Bürgerbeteiligung zumeist die Beratung (vgl. Konsultation) oder den Dialog in einer frühen Phase des politischen Prozesses. Mitentscheidungen durch die organisierte Bürgerschaft oder die Zusammenarbeit in gemeinsamen Gremien und Komitees von Bürgern und Politik/Verwaltung - wie von der europäischen INGO-Konferenz in der Matrix dargelegt und beschlossen, sind Ziele einer zukünftigen Entwicklung (vgl. Spektrum der Bürgerbeteiligung).

Matrix zur Bürgerbeteiligung –
Empfehlung der internationalen Nichtregierungsorganisationen im Europarat
[14]
Beteiligungsebenen und Einfluss der Bürgerschaft         Schritte des politischen Entscheidungsprozesses
Agenda-Setting Ausarbeitung Entscheidung Umsetzung Überwachung Neuformulierung
Partnerschaft 100 % Arbeitsgruppe
oder Komitee
Redaktion bei der Ausarbeitung Gemeinsame
Entscheidungen,
Mitentscheidungen
Strategische Partnerschaften Arbeitsgruppen
oder Komitee
Arbeitsgruppen
oder Komitee
Dialog Anhörungen und öffentliche Foren, mehr[Dialog 1] Anhörungen und F&A-Foren,
mehr[Dialog 2]
Offene Plenar- oder
Komiteesitzungen
Seminare,
mehr[Dialog 3]
Arbeitsgruppen
oder Komitee
Seminare oder Beratungsforen
Beratung Petitionen, Online‑Beratung, mehr[Beratung 1] Anhörungen und F&A-Foren,
[Beratung 2]
Offene Plenar- oder Komiteesitzungen Veranstaltungen, Konferenzen, Foren, Seminare Feedback, Mechanismen Konferenzen oder
Besprechungen,
Online-Beratung
Information 0 % Zugriff auf Informationen,
mehr[Info 1]
Zugriff auf politische Dokumente,
mehr[Info 2]
Kampagnen und Lobby-Arbeit Zugriff auf Informationen,
mehr[Info 3]
Zugriff auf Informationen,
mehr[Info 4]
Offener Zugriff auf Informationen
        ▲   Beteiligungsebenen und wachsender Einfluss der Bürgerschaft

Ergänzender Text zu Matrixfeldern der Bürgerbeteiligung:

Dialog
  1. Anhörungen und öffentliche Foren, Bürgerforen und Zukunftsgremien, Schlüsselkontakte zur Regierung
  2. Anhörungen und F&A-Foren, Sachverständigenseminare, Komitees aus mehreren Interessengruppen und beratende Institutionen
  3. Seminare zur Steigerung von Kapazitäten und Schulungsseminare


Beratung

  1. Petitionen, Online-Beratung oder andere Beratungstechniken
  2. Anhörungen und Frage & Antwort-Foren, Sachverständigenseminare, Komitees aus mehreren Interessengruppen und beratende Institutionen
Informationen
  1. Leichter und offener Zugriff auf Informationen, Forschung, Kampagnen und Lobby-Arbeit, Website für Schlüsseldokumente
  2. Offener und freier Zugriff auf politische Dokumente, Internetseiten für Schlüsseldokumente, Kampagnen und Lobby-Arbeit, Webcasts, Anregungen aus der Forschung
  3. Offener Zugriff auf Informationen, Internetseite zur Informationsbeschaffung, E-Mail-Benachrichtigungen, FAQ, Öffentliche Ausschreibungsverfahren
  4. Offener Zugriff auf Informationen, Beweissammlung, Auswertungen, Forschungsstudien



Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Größere Nichtregierungsorganisationen weisen mitunter Jahresbudgets von mehr als einer Milliarde Euro auf. Einnahmequellen sind neben den Mitgliedsbeiträgen vor allem Spenden, Erlöse aus dem Verkauf von Waren sowie Einnahmen aus Aufträgen von privaten oder öffentlichen Stellen, etwa Honorare für soziale Dienste oder Flüchtlingsbetreuung.[15] Daneben hängen auch viele Nichtregierungsorganisationen in erheblichem Maße von staatlichen Mitteln ab. Die Einnahmen von Oxfam, das nach dem Roten Kreuz zu den weltweit größten Hilfsorganisationen zählt, lagen im Geschäftsjahr 2015/2016 bei knapp 1,1 Milliarden Euro, die zum großen Teil von der öffentlichen Hand stammen: 67,9 Millionen Euro von der EU und von EU-Einrichtungen, 63,6 Millionen Euro von den Vereinen Nationen und von UN-Organisationen und 200,2 Millionen Euro von nationalen Regierungen.[16]

Die Abhängigkeit von Spenden und staatlichen Mitteln kann im Widerspruch zur Glaubwürdigkeit von NGOs stehen.[17] Da auch immer mehr NGOs gegründet werden, gibt es statt Zusammenarbeit einen harten Konkurrenzkampf um Spendengelder zwischen den Organisationen.[18] Die Fähigkeit Zielgruppen und die Öffentlichkeit zu erreichen ist oft abhängig von medienwirksamen Inszenierungen verbunden mit Dramatisierung, Skandalisierung, emotionalem Auftreten oder Spektakel.[19] Je größer das Medieninteresse und die Berichterstattung, desto mehr Spenden können gesammelt werden. Dabei müssen Krisenregionen für Journalisten gut erreichbar und nicht zu gefährlich sein, und die Opfer müssten gut zu fotografieren oder zu filmen sein.[20] Der Leiter der größten Flüchtlingsbetreuungsstelle Österreichs kritisiert, dass manche NGOs mit falschen Darstellungen Spenden generieren und sich benehmen „wie Unternehmen, denen es um Geld und Einfluss gehe“.[21] Auch die niederländische Autorin Linda Polman kritisiert, dass Fakten manipuliert werden, um an mehr Spenden zu kommen.[22]

Die Verwendung von Spenden selbst ist oft intransparent und nicht nachvollziehbar. Selbst große Organisationen wie Rotes Kreuz oder Caritas geben in ihren Jahres- und Rechenschaftsberichten keine genauen Auskünfte, welche Summen zu welchem Zweck wohin fließen.[23] Die meisten NGOs in Deutschland sind als Vereine organisiert. Nach dem geltenden Vereinsrecht sind sie jedoch nicht verpflichtet, nach außen über die Herkunft und Verwendung ihrer Mittel Rechenschaft abzulegen.[24] Zwar werden die Sammlung und Verwendung von Spenden einiger NGOs im Inland überwacht und mit Spendensiegel zertifiziert, aber insbesondere im Ausland sei eine Kontrolle der Geldflüsse schwierig oder kaum vorhanden.[25] Effizienz und Kontrolle der Wirkung von Spenden bleiben auch beim Spendengütesiegel unberücksichtigt.[26]

So führt beispielsweise die Zusammenarbeit von NGOs mit Rebellen oder Militärregimen in Krisenregionen zu einem Missbrauch von Spendengeldern, die so Kriege verlängern oder neue Konflikte hervorrufen. Eine Monitoring-Gruppe der UNO hat beispielsweise in Somalia herausgefunden, dass die Hälfte der Nahrungsmittelhilfe des Welternährungsprogramms an die Warlords, ihrer Geschäftspartner und lokalen Mitarbeiter floss.[27] Die Autorin Linda Polman meint, dass viele NGOs zu wenig die Folgen ihres Handelns bedenken. Ihnen seien Prinzipien wichtiger als Konsequenzen.[28]

Eine 2013 durchgeführte Untersuchung der Stiftung Warentest ergab, dass nur sechs von 44 Organisationen aus den Bereichen Umwelt- und Klima­schutz sowie Tier-, Natur- und Arten­schutz transparent und nach­voll­zieh­bar wirt­schaftlich arbeiten. Beim deutschen Vier Pfoten-Verein beispielsweise floss laut Geschäftsbericht 2012 weniger als die Hälfte der Ausgaben in Projekte und Kampagnen. Weiters bemängelte Stiftung Warentest bei den meisten Spenden­organisationen mangelnde Transparenz bei der Offenlegung von Einnahmen und Ausgaben sowie bei Provisionszahlungen für Mitgliederwerbung und Aufwand für Spendenwerbung.[29]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • NGOs sind nicht demokratisch legitimiert. Sie sind nicht gewählt und damit auch nicht ermächtigt, im Namen des Volkes zu sprechen oder zu agieren.
  • NGOs sind auch intern nicht immer demokratisch strukturiert.[30]
  • Kritik gibt es auch an einer zu starken Stellung der NGOs.[31]
  • Im Gegensatz zu Lobbyisten, die wirtschaftliche Interessen verfolgen, treten Lobbyisten, die ökologische und soziale Interessen verfolgen, als NGOs auf und werden als solche in der Öffentlichkeit wahrgenommen.[32]
  • Einige Nichtregierungsorganisationen werden auch betrieben, um inoffiziell Einfluss auf die Politik und öffentliche Meinung in anderen Ländern zu nehmen. So hat die russische Regierung den USA mehrfach vorgeworfen, etwa die Aufstände in der Ukraine (Orange Revolution) und Georgien (Rosenrevolution) massiv finanziell zu fördern und hat mit dieser Begründung im Jahre 2005 selbst strengere Gesetze für NGOs im eigenen Land erlassen.[33]
  • Laut italienischer Staatsanwaltschaft gibt es Beweise für eine Zusammenarbeit von mehreren NGOs mit libyschen Schleppern bei der Rettung von Migranten im Mittelmeer.[34] Nach Angaben der Staatsanwaltschaft würden einige NGOs auch von Schleppern finanziert.[35]
  • In griechischen Flüchtlingslagern haben Aktivistinnen und Aktivisten von NGOs 2015/16 wiederholt für Unruhe gesorgt, gegen die staatliche Verwaltung und Behörden agitiert und teils sogar die Kontrolle übernommen sowie die Migranten zum Sturm auf die Grenzzäune zu Mazedonien ermuntert.[36]
  • zu Finanzierung und Spenden siehe Abschnitt Finanzierung

Sexuelle Ausbeutung und Missbrauch durch NGO-Mitarbeiter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2002 ergab ein Untersuchungsbericht des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR), dass in Flüchtlingslagern in Sierra Leone, Liberia und Guinea rund 70 Mitarbeiter von über 40 Hilforganisationen, darunter UNHCR und Save the Children, junge Frauen und Kinder sexuell missbraucht haben. So wurde etwa Sex als Gegenleistung für Lebensmittel und Geld verlangt.[37]

Laut einer 2008 veröffentlichte Studie der Kinderrechtsorganisation Save the Children waren in Haiti, Elfenbeinküste und Südsudan Mitarbeiter von 23 humanitären und Peacekeeping-Organisationen an Vergewaltigungen, Menschenhandel, Zwangs- und Kinderprostitution, verbaler sexueller Gewalt und Kinderpornographie beteiligt. Die Täter sind sowohl internationale als auch einheimische Mitarbeiter sowie Angestellte lokaler NGOs und Partner. Die überwältigende Mehrheit der Täter sind Männer, jedoch sind auch Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern durch Frauen bekannt.[38]

Mitarbeiter der Hilfsorganisation Oxfam haben in Haiti während eines Einsatzes nach dem Erdbeben von 2010 Parties mit Prostituierten veranstaltet. Eine interne Untersuchung der NGO zeigte eine „Kultur der Straflosigkeit“ unter den Oxfam-Mitarbeitern. Vorwürfe, wonach auch minderjährige Prostituierte engagiert wurden, seien nach Oxfams Angaben jedoch „nicht bewiesen“. Die in den Skandal verwickelten Mitarbeiter fanden danach ähnliche Arbeit bei anderen Nichtregierungsorganisationen.[39][40] Auch im Tschad sind 2006 wiederholt mutmaßliche Prostituierte in das Haus des Oxfam-Teams eingeladen worden. Im Südsudan gab es Fälle von Vergewaltigungen und versuchten Vergewaltigungen.[41][42][43]

Die ehemalige britische Entwicklungshilfeministerin Priti Patel und Haitis Präsident Jovenel Moïse bezeichneten die Vorkommnisse bei Oxfam als die „Spitze des Eisbergs“. Laut Moïse seien auch andere Organisationen betroffen, Informationen würden jedoch intern vertuscht. So habe etwa Ärzte ohne Grenzen 17 Mitarbeiter ohne weitere Erklärung wegen Fehlverhaltens abgezogen.[44]

Die „Charity Commission“, die Aufsichtsbehörde für die Hilfs- und Wohltätigkeitsorganisationen im Königreich, berichtete, dass ihr jährlich etwa 1000 Verdachtsfälle von Missbrauch gemeldet würden. Aktenkundig seien unter anderem Fälle von sexueller Belästigung bei „Save the Children“, „Christian Aid“ und beim Britischen Roten Kreuz. Im Februar 2018 bestätigte das International Rescue Committee Fälle sexuellen Missbrauchs in der Demokratischen Republik Kongo. Ärzte ohne Grenzen berichtete für das Jahr 2017 von 24 bestätigten Fällen sexueller Belästigung oder sexuellen Missbrauchs in ihrer Organisation. 19 Mitarbeiter wurden entlassen.[45]

Der frühere UN-Notfallkoordinator Andrew MacLeod spricht von einem globalen Problem in der Industrie der Hilfsorganisationen. Pädophile heuern seit vielen Jahren verstärkt bei Wohltätigkeitsorganisationen an, um in Krisenregionen Zugang zu Kindern zu erhalten.[46][47][48]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Nichtregierungsorganisation – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: NGO – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), abgerufen am 29. April 2017.
  2. Ulrich Köhler (Hrsg.), Heiko Feser (Autor): Die Huaorani auf den Wegen ins neue Jahrtausend. Ethnologische Studien Bd. 35, Institut für Völkerkunde der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, veröffentlicht bei LIT Verlag, Münster, 2000, ISBN 3-8258-5215-6. S. 412. Siehe auch die Definition hierzu in Artikel 1 Europäisches Übereinkommen über die Anerkennung der Rechtspersönlichkeit internationaler nichtstaatlicher Organisationen des Europarates.
  3. Albrecht Horn: Vereinte Nationen – Akteure und Entscheidungsprozesse. Frank & Timme, Berlin 2007, ISBN 978-3-86596-101-3, S. 39.
  4. un.org: Economic and Social Council, Resolution 1996/31
  5. Consultative Status with ECOSOC and other accreditations. United Nations Economic and Social Council, abgerufen am 12. August 2017 (englisch).
  6. List of non-governmental organizations in consultative status with the Economic and Social Council as of 1 September 2015. United Nations Economic and Social Council, 2015, abgerufen am 8. Dezember 2017 (englisch).
  7. Participatory status. At a glance / How to apply (deutsch Teilnahme-Status. Auf einen Blick / Wie geht eine Bewerbung). In: Nichtregierungsorganisationen. Europarat, Demokratie, 2014, abgerufen am 3. August 2015 (englisch): „Artikel 1 der Euroraratssatzung (deutsch) und Resolution Res(2003)8
  8. a b Florian Furtak: Internationale Organisationen. Springer VS, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-00176-6.
  9. Duke University Libraries: World Bank and NGOs
  10. Europäisches Übereinkommen über die Anerkennung der Rechtspersönlichkeit internationaler nichtstaatlicher Organisationen (SEV-Nr.: 124). Vertrag aufgelegt zur Unterzeichnung durch die Mitgliedstaaten und zum Beitritt durch Nichtmitgliedstaaten. Vertragsbüro des Europarats, 1. Januar 1991, abgerufen am 29. Juli 2014.
  11. Gesamtzahl der Ratifikationen. Europäisches Übereinkommen über die Anerkennung der Rechtspersönlichkeit internationaler nichtstaatlicher Organisationen (SEV-Nr.: 124). Vertragsbüro des Europarats, abgerufen am 29. Juli 2014.
  12. Legal standards for Non-Governmental Organisations (deutsch rechtliche Standards für Nichtsregierungsorganisationen). Recommendation CM/Rec(2007)14 of the Committee of Ministers to member states on the legal status of non-governmental organisations in Europe. Europarat, 10. Oktober 2007, abgerufen am 3. August 2015 (englisch).
  13. a b Empfehlung CM/Rec(2007)14 des Ministerkomitees an die Mitgliedstaaten über den rechtlichen Status von Nichtregierungsorganisationen in Europa (mit ERLÄUTERNDEM MEMORANDUM). In: Ministerkommittee. Europarat, 7. Februar 2008, abgerufen am 5. August 2015 (PDF; 222 kB, Erläuterndes Memorandum ab Seite 9 des PDFs.): „Durch das europäische Ministerkomitee angenommen am 10. Oktober 2007, anlässlich der 1006. Sitzung der Delegierten der Minister.“ Behandelt in Drucksache 16/14161, Deutscher Bundestag, 16. Wahlperiode, S. 16.
  14. a b c d Code of Good Practice for Civil Participation in the Decision-Making Process. Background. In: Konferenz der INGOs (internationale Nichtregierungsorganisationen). Europarat, 1. Oktober 2009, abgerufen am 24. Juli 2014 (PDF; 118 kB, englisch). (deutsch Verhaltenskodex für die Bürgerbeteiligung im Entscheidungsprozess; Matrix der Bürgerbeteiligung: siehe Seite 18 des PDFs)
  15. Mitleid als Geschäft addendum.org, abgerufen am 23. Februar 2018
  16. Nach Sexskandal: Kein Geld mehr für Hilfsorganisation Oxfam diepresse.com, abgerufen am 20. Februar 2018
  17. Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) abgerufen am 1. Mai 2017
  18. Hilfsorganisationen versagen. Wie Ihre Spenden missbraucht werden handelsblatt.com, abgerufen am 1. Mai 2017
  19. Die medienorientierte Inszenierung von Protest. abgerufen am 29. April 2017.
  20. Spenden finanzieren Krieg, spiegel.de, abgerufen am 1. Mai 2017
  21. Asyl: Kritik an Politik und NGOs, diepresse.com, abgerufen am 29. April 2017.
  22. Hilfsorganisationen versagen. Wie Ihre Spenden missbraucht werden, handelsblatt.com, abgerufen am 1. Mai 2017
  23. Warum kaum jemand sagt, was mit Spendengeld passiert addendum.org, abgerufen am 23. Februar 2018
  24. Arbeit von NGOs. Nur bedingt transparent, tagesspiegel.de, abgerufen am 16. Mai 2017
  25. Spenden finanzieren Krieg spiegel.de, abgerufen am 1. Mai 2017
  26. Warum kaum jemand sagt, was mit Spendengeld passiert addendum.org, abgerufen am 23. Februar 2018
  27. Spenden finanzieren Krieg spiegel.de, abgerufen am 1. Mai 2017
  28. Hilfsorganisationen versagen. Wie Ihre Spenden missbraucht werden, handelsblatt.com, abgerufen am 1. Mai 2017
  29. Spenden: Diesen Organisationen können Sie trauen Stiftung Warentest, abgerufen am 22. Februar 2018
  30. Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), abgerufen am 29. April 2017.
  31. Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), abgerufen am 29. April 2017.
  32. Arbeit von NGOs. Nur bedingt transparent, tagesspiegel.de, abgerufen am 16. Mai 2017
  33. In The National Interest: Russian Legislation Restricting NGOs (engl.)
  34. Staatsanwalt: NGOs kooperieren mit Schleppern im Mittelmeer, diepresse.com, abgerufen am 29. April 2017.
  35. Sizilianischer Staatsanwalt will NGO-Finanzierung prüfen, derstandard.at, abgerufen am 29. April 2017.
  36. Staatsanwalt: NGOs kooperieren mit Schleppern im Mittelmeer, diepresse.com, abgerufen am 29. April 2017.
  37. NGO-Skandal um sexuelle Ausbeutung weitet sich ausdiepresse.com, abgerufen am 19. Februar 2018
  38. Corinna Csáky No One to Turn To: The under-reporting of child sexual exploitation and abuse by aid workers and peacekeepers alnap.com, abgerufen am 22. Februar 2018
  39. Ausnutzen von Bedürftigen in Haiti. Mitarbeiter von Oxfam feierten Sexpartys im Katastrophengebiet t-online.de, abgerufen am 19. Februar 2018
  40. Oxfam-Mitarbeiter ließen sich wohl Prostituierte in Haiti bezahlen
  41. Großbritannien streicht Oxfam das Geld - nicht nur wegen Haiti diepresse.com, abgerufen am 19. Februar 2018
  42. EU droht Oxfam mit Streichung von Geldern kurier.at, abgerufen am 20. Februar 2018
  43. 'We fear what's next': Oxfam reels from prostitution scandal theguardian.com, abgerufen am 19. Februar 2018
  44. Oxfam sex scandal is 'tip of the iceberg', Haitian president claims telegraph.co.uk, abgerufen am 20. Februar 2018
  45. Nach Oxfam und Ärzte ohne Grenzen: Nächster Sexskandal bei Hilfsorganisation: IRC bestätigt Missbrauchsfälle focus.de, abgerufen am 19. Februar 2018
  46. Oxfam drohen Konsequenzen nach „Sex-Skandal“ faz.net, abgerufen am 19. Februar 2018
  47. Oxfams dunkle Seite faz.net, abgerufen am 19. Februar 2018
  48. Oxfam Haiti sex scandal a 'global problem' within aid industry, former UN worker saysabc.net.au, abgerufen am 20. Februar 2018